Karl Hermann Gutheil engagiert sich mit Führungen auf Schloss Dhaun für die Soonwaldstiftung. Foto: Manuel Liesenfeld
Karl Hermann Gutheil hat eine Mission. Er zeigt Menschen die Geschichte seines Heimatortes. Genauso leidenschaftlich sammelt er Geld für Familien in Not.
SCHLOSS DHAUN. Pünktlich um halb zwei, dem verabredeten Start der Führung, sammelt Karl Hermann Gutheil eine knapp 30-köpfige Gruppe um sich. Treffpunkt ist der Parkplatz vor Schloss Dhaun. Heute haben hier Besucher aus Frankfurt, Mastershausen im Hunsrück und Blieskastel an der französischen Grenze ihre Autos geparkt. Und nahe-dran.de war auch dabei.
Von Manuel Liesenfeld.
Gutheil führt die Gruppe an die Kante des Parkplatzes. Jetzt hat er das weite Kellenbachtal im Rücken und die mächtige Schlossanlage, die als die größte ihrer Art in der Nahe-Region gilt, vor sich. In seinem karierten Hemd, seiner Baseballkappe, Sonnenbrille und Gürteltasche erinnert er an einen Mann auf Expedition. In den nächsten rund zwei Stunden wird sich herausstellen, dass er genau das vorhat: seine Gäste mitzunehmen in ein Abenteuer, das Fakten, aber auch Sagen von über 3.000 Jahren miteinander verbindet.
Schloss Dhaun und seine wechselvoll Geschichte: Kelten, Römer und eine Fehde mit dem Bischof
In der Hand hält er ein Ringbuch mit laminierten DIN-A4-Seiten, Dokumenten, Karten, Stichen und Bildern aus der Chronologie von Schloss Dhaun. Das macht es noch anschaulicher. Er beginnt bei Kelten, die als Erste auf dieser Bergkuppe eine Ansiedlung errichteten. Er erzählt von Römern, die einen Verwaltungssitz am Ort betrieben, und nennt das Jahr 1215 als erste offizielle Erwähnung des „Castrum de Dune“, Burg auf der Höhe. Er schildert die Dhauner Fehde mit dem Trierer Bischof im 14. Jahrhundert, in der die Dhauner den Kürzeren zogen. Er stellt das Geschlecht der Wild- und Rheingrafen vor, die ihre Stammburg ständig um- und ausbauten und die eine so geschickte Heiratspolitik betrieben, dass sie schließlich Besitztümer am Niederrhein, in Bayern, im Saarland und in Teilen Frankreichs ihr Eigen nennen konnten.
Nicht unerwähnt lässt er auch den unvorstellbaren Aderlass im Dreißigjährigen Krieg, der im 17. Jahrhundert ganze Dörfer rund um die Burg ausradierte. Genauso wie die Französische Revolution, die – zum großen Gefallen der bedrückten Bevölkerung – der Herrschaft der Dhauner Grafen ein Ende setzte. Wechselnde Besitzer folgten. Zwischendurch war die Burg nur noch Steinbruch. Heute wird Schloss Dhaun von einem Zweckverband öffentlicher Träger verwaltet.



Als der Hexenprozess in Dhaun stattfand
Doch Gutheil belässt es nicht bei den großen Linien. Was für ihn eine gute Führung ausmacht? Kleine Nebengeschichten und Anekdoten. Und die gibt es hier reichlich. Mittlerweile ist die Gruppe im Innern der Anlage angekommen. Die Besucher hören – gespannt, fasziniert und auch ein wenig fröstelnd – von mittelalterlichen Kapitalverbrechen, Hinrichtungsmethoden und sogar einem Hexenprozess, der im Schloss verhandelt wurde. In der Ruine der ehemaligen Schlosskapelle erzählt Gutheil vom Dhauner Pranger für Menschen, die gegen die kirchliche Ordnung verstoßen hatten und öffentlich zum Spott ausgestellt wurden.
Das Schloss seiner Kindheit
Für Karl Hermann Gutheil nahm Schloss Dhaun immer schon eine herausragende Rolle ein. Als Kind, als Lehrer und heute als einziger Führer mit einer Expertise, die sonst keiner zu bieten hat.
Bereits als Volksschüler hat er in Martinstein lebende Gutheil das Schloss zusammen mit seinen Klassenkameraden spielerisch eingenommen. Es diente den Kindern als romantische Kulisse ihrer Fantasie. Sie erkundeten die Anlage, erforschten geheime Gänge und dunkle Winkel, scheuchten Fledermäuse auf und erschreckten damit Besucher.
Später, als angehender Lehrer für Geschichte, Sozialkunde und Deutsch, stieg Gutheil auch akademisch tiefer in die Historie von Schloss Dhaun ein und verfasste eine wissenschaftliche Arbeit über dessen Geschichte.
Ein einschneidendes Ereignis ist das Jahr 2021, als der Unternehmer Rüdiger Lanz das Anwesen pachtet, Millionensummen investiert und Schloss Dhaun so aus seinem Dornröschenschlaf weckt. Lanz` Engagement führt in der Folge zu größerem Interesse an dem historischen Monument und auch der SWR berichtet. Das Jahr markiert den Einstieg Karl Hermann Gutheils als Schlossführer. Rund 20 Führungen absolviert er seitdem jährlich. Einen Termin vereinbaren kann man direkt mit ihm unter der E-Mail-Adresse khg.martinstein@t-online.de.
Bevor es zum Höhepunkt der heutigen Führung in die Katakomben mit ihren Gängen und Verliesen geht, fischt Gutheil auf dem ausladenden Schlosshof noch ein wichtiges Utensil aus seiner Gürteltasche: einen Stoffbeutel, den er anschließend durch die Reihen seiner Zuhörer gehen lässt mit der Bitte, einen freiwilligen Betrag einzulegen.
Gutheil sammelt das Geld jedoch nicht für sich selbst. Einen Obolus für die Führung will er nicht. Vielmehr ist es bestimmt für sein zweites großes Herzensprojekt, die Soonwaldstiftung, wie er der Gruppe erläutert. Heute kann er sogar einen großen Meilenstein verkünden: „Mit dieser Führung werde ich die 10.000-Euro- Spenden-Marke überschreiten“, ist er sicher.
Menschen, Geschichten und Engagement
Anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Fördervereins Lützelsoon und des 25-jährigen Jubiläums der Soonwaldstiftung stellt Nahe-dran.de die Menschen hinter diesem besonderen Engagement vor.
Die Serie erzählt von Menschen, ihren Erfahrungen und ihrem Einsatz für Familien und Einzelpersonen in schwierigen Lebenssituationen.
Alle Beiträge der Serie →Der Kreis schließt sich
Damit schließt sich ein Kreis, der weit über Schloss Dhaun hinausreicht. Denn junge Menschen in ein selbstbestimmtes, verantwortliches Leben zu begleiten, das auch den Nächsten im Blick hat, ist für den Pädagogen Karl Hermann Gutheil Herzensanliegen und Lebensaufgabe zugleich. Als Verbindungslehrer in Kirn beeinflusste er maßgeblich die Schülervertretung (SV) und stellte dieses Konzept viele Jahre als Referent bei Fortbildungen an Schulen in ganz Rheinland-Pfalz vor.
Als Rektor der Flurschule Idar-Oberstein etablierte er eine besondere Spendenaktion für das rheinland-pfälzische Partnerland Ruanda in Afrika. Mit „Go for Ruanda“ sammelten Schülerinnen und Schüler für jeden gewanderten Kilometer eine Spendensumme. Schon bei der ersten Veranstaltung kamen damals bereits 62.000 DM zusammen.
2012 schied Gutheil schließlich als Rektor der Realschule Rheinböllen aus dem Schuldienst aus. Herbert Wirzius, der 2001 die Soonwaldstiftung gegründet hatte, kannte er da bereits schon seit den 1970er Jahren, als er Lehrer an der Volksschule Hennweiler und Wirzius Mitglied des dortigen Elternbeirats war. Gutheil konnte sich sehr gut mit dessen Anliegen identifizieren, Familien schwer erkrankter Kinder unbürokratisch zu helfen. Für ihn, so Gutheil, sei es ebenso wichtig, „dass das Geld in der Region bleibt, um Menschen zu helfen“.
Und während seine Gäste eng um ihn gescharrt im Verlies von Schloss Dhaun stehen, erzählt ihnen Karl Hermann Gutheil im Lichtkegel seiner Taschenlampe von den Gefangenen, die in der Dunkelheit dieses Kerkers ihre Strafe fristeten und von ihren Ausbruchsversuchen aus meterdicken Festungsmauern.
Das Abenteuer geht weiter.
Wer Schloss Dhaun lieber bei Tageslicht erkundet, kann sich für eine letzte Führung in diesem Jahr anmelden. Diese findet am Samstag, 17. Oktober 2026, um 13.30 Uhr statt.
Treffpunkt ist der Parkplatz unterhalb von Schloss Dhaun. Für die Führungen wird keine feste Teilnahmegebühr erhoben. Stattdessen wird um eine Spende gebeten. Die Einnahmen kommen dem Förderverein Lützelsoon zur Unterstützung krebskranker und notleidender Kinder und deren Familien e.V. beziehungsweise der Soonwaldstiftung – „Hilfe für Kinder in Not“ zugute.
Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich.
Anmeldung:
Karl Hermann Gutheil
Telefon: 06754/8770
E-Mail: khg.martinstein@t-online.de
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