Der liebevoll restaurierte VW-Bus von Sven Muser ist seit 2019 für den guten Zweck unterwegs.
Sven Muser spendet den Erlös für Sonderfahrten mit fast 60 Jahre altem VW-Bus für Soonwaldstiftung – Hochzeiten, Jubiläen oder Abschiedsfahrten stilvoll genießen
Kirn. Er hat fast schon 60 Jahre auf dem Buckel und die halbe Welt gesehen. Der VW-Bulli Baujahr 1967, den Sven Muser in hunderten Stunden in zweijähriger Detailarbeit liebevoll restauriert hat. Er läuft und läuft und läuft immer weiter, und zwar für den guten Zweck. Der legendäre VW-Bus kann nämlich seit 2019 für Sonderfahrten gemietet werden, und Lackierermeister Muser spendet den Fahrpreis 1:1 ohne Abzüge oder Spritkosten für die Soonwaldstiftung um Herbert und Ingrid Wirzius. Über 20.000 Euro kamen so schon zusammen bei über 50 Fahrten ins Eheglück, für Geburtstagstouren oder Abschiedsfahrten für frischgebackene Pensionäre. Muser nimmt für die Fahrt eine Stundenpauschale von 100 Euro bei Minimum drei Stunden – wie gesagt: Alles für die Stiftung.
Von Armin Seibert
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Neues Kleid wird teuer
Mit Oldtimern kennt sich der Karosseriefachmann bestens aus. So war schnell klar, dass der Kunde, der 2014 auf den Hof getuckert kam und ein neues frisches Lack-Kleid für den Bulli in Auftrag geben wollte, die Rechnung nicht ohne den Rost gemacht hatte. Muser erinnert sich: „Wir haben den Bulli ganz genau angeschaut, und ich habe eine Prognose gestellt, dass ganz schnell 20 000 Euro zusammenkommen.“ Da sei der Kunde natürlich geschockt gewesen. Was soll man machen? „Dann habe ich ihm das Auto in meinem jugendlichen Leichtsinn kurzerhand abgekauft,“ blickt Muser zurück. „Die Restaurierung mache ich mal zwischendurch,“ stellte er sich das damals easy vor. Aber es folgte viel Klein- und Detailarbeit, die Karosseriebauer wie er mit den Schätzchen aus alter Zeit so lieben. Allein für Schweißarbeiten gingen dann 240 Stunden drauf, viel Geld für Ersatzteile und obendrein einiges aufs Nervenkostüm, bilanziert Muser. Gut zwei Jahre dauerte die umfassende Restaurierung. Dann stand der Bulli fix und fertig und doch ein bisschen traurig da. Denn bewegt wurde er kaum.


Kapazität nach Gewicht „bemessen“
Eher scherzhaft wurde Moser dann mal von einem Bekannten gefragt, ob er den schmucken Oldie nicht mal für eine Hochzeit bewegen könnte. Er überlegte länger. Solle er nun auch noch als Hochzeitskutscher unterwegs sein? Ob es das bringt, fragte er sich? Letztlich stimmte Moser aber zu. Die Bedingung: Der Fahrpreis geht an die Soonwaldstiftung, der er schon lange freundschaftlich verbunden ist und sie mit Spenden unterstützt. Meist sitzt Muser seither bei den Hochzeits- oder Jubiläumsfahrten persönlich am Steuer. Denn so ein Oldie mit Trommelbremse muss doch sehr vorsichtig und verantwortungsvoll bewegt werden, es ist kein Auto für Spritztouren. „Ich entscheide durchaus nach Gewicht,“ scherzt Muser zur Frage, wie viele Personen denn mitfahren dürfen. „Vier bis fünf sind normal, aber wenn sie dünn und leicht sind auch mal mehr,“ rechnet er vor. Acht 100-Kilo-Leute seien definitiv zu schwer.
Aber selbst bei vorsichtiger Fahrweise hat es in den bislang über 50 Fahrten schon das ein oder andere Mal geklappert. Da löste sich im vollbesetzten Bus einmal eine Benzinleitung am Vergaser. Und noch schlimmer: Nach einer Trauung beim Startversuch ins Glück riss das Kupplungsseil. Und was passierte dann? Muser rief in der Firma an, wo noch ein Seil vorhanden war, und zwei Mitarbeiter rückten damit an. Die Hochzeitsgesellschaft überbrückte die Reparaturpause mit einer Sektrunde, schauten interessiert hin, als unterem Auto die Füße der Mechaniker herausschauten, und weiter ging´s. Jetzt spendierte Muser seinem Bulli aber einen Renovierungs-Rundumschlag und einen etwas stärkeren Motor. Weiter geht’s mit neuem Schwung.
Menschen, Geschichten und Engagement
Anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Fördervereins Lützelsoon und des 25-jährigen Jubiläums der Soonwaldstiftung stellt Nahe-dran.de die Menschen hinter diesem besonderen Engagement vor.
Die Serie erzählt von Menschen, ihren Erfahrungen und ihrem Einsatz für Familien und Einzelpersonen in schwierigen Lebenssituationen.
Alle Beiträge der Serie →Sogar eine Fahrt im Schnee war dabei
Im Lauf der Jahre hat der Bulli schon etliche hochinteressante Touren gedreht. Von der Reichsburg in Cochem bis zum Wasserschloss bei Ingelheim, vom Bonnheimer Hof bis zur Kreuznacher Kautzenburg, von Burgen im Hunsrück bis nach Oberwesel, und einmal sogar eine Schnee-Fahrt zum Erbeskopf war dabei. Die Skier mussten stilecht auch mit. Die Tour war aber eine Ausnahme, weil wegen Corona die Gaststätten geschlossen waren. „Ich habe viele Ecken der Heimat kennengelernt und interessante Anekdoten gehört,“ sagt Muser. Oft war es eine schöne Überraschung für die Brautleute, die von der Oldie-Fahrt ins Glück nichts ahnten, es gab Erinnerungen bei Geburtstagsjubilaren an eigene VW-Bus-Fahrten vor Jahrzehnten über die Alpen. Einmal war das Brautpaar wie der Bulli Jahrgang 1967, das Hallo natürlich groß. Auch an eine „Fahrt in den Ruhestand“ hat Muser gute Erinnerungen. Der Chef eines Wasserwerks ließ sich dabei von den Kollegen bei einer Rundfahrt alle „seine“ Wasserwerke in der Region noch einmal zeigen.
So hat Sven Muser die anfangs mit Skepsis betrachtete Nebenbeschäftigung als „Hochzeitskutscher“ inzwischen schätzen und lieben gelernt. Er fährt weiterhin möglichst selbst. Und wenn es mit dem Termin dann doch mal Überschneidungen gibt, dann hat der Chef noch ein, zwei „Joker“ in Petto, die den Bulli steuern können. Man kann doch einen lange geplanten Hochzeitstermin nicht absagen, weil Muser auch mal Urlaub macht.
Ob Hochzeit, Geburtstag, Jubiläum oder Abschied in den Ruhestand: Der liebevoll restaurierte VW-Bulli von Sven Muser kann für besondere Sonderfahrten gebucht werden.
Mindestbuchung: 3 Stunden
Mitfahrer: In der Regel 4 bis 5 Personen
Der gesamte Fahrpreis kommt ohne Abzüge der Soonwaldstiftung zugute.
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