Ehemalige Synagoge Staudernheim öffnet ihre Türen
STAUDERNHEIM (red.) In einem eher versteckten Winkel des Wolfsgangs, dem früheren Kirchweg, befindet sich ein besonderes Zeugnis der jüdischen Geschichte Staudernheims: die ehemalige Synagoge. Am Sonntag, 6. September 2026, kann das historische Gebäude in der Zeit von 14 bis 16 Uhr wieder besichtigt werden.
Auf den ersten Blick wirkt der kleine Bau in der Straße Am Wolfsgang 3 eher unscheinbar. Doch hinter seinen Mauern verbirgt sich eine wechselvolle Geschichte, die eng mit dem jüdischen Leben in Staudernheim und der Region verbunden ist.
Kleine Landgemeinde baute eigene Synagoge
Jüdisches Leben in Staudernheim lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Im 19. Jahrhundert wuchs die jüdische Gemeinde zunächst deutlich an. Ihren höchsten Stand erreichte sie 1864 mit 86 jüdischen Einwohnerinnen und Einwohnern. Zur Gemeinde gehörten unter anderem eine Religionsschule, ein rituelles Bad und ein jüdischer Friedhof.
Lange Zeit musste sich die Gemeinde mit einem Betsaal begnügen, der sich über dem Stall eines Viehhändlers befand. Ende des 19. Jahrhunderts entstand schließlich der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus. 1896 wurde die Synagoge am heutigen Wolfsgang 3 errichtet und am 24. Juli desselben Jahres eingeweiht. Der kleine eingeschossige Bau wurde aus behauenen Sandsteinquadern errichtet und verfügte über rund 75 Quadratmeter Fläche.
Auch heute erinnern hebräische Inschriften am Gebäude an seine ursprüngliche Funktion. Über dem Eingang findet sich ein Vers aus Psalm 118,20, während eine weitere Inschrift am Giebel auf die Bedeutung des Ortes als „Haus Gottes“ verweist.
Teilweise Zerstörung während der NS-Zeit
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann auch für die jüdische Bevölkerung Staudernheims eine Zeit der Ausgrenzung und Verfolgung. 1933 lebten noch 21 jüdische Menschen im Ort; viele wanderten in den folgenden Jahren aus. Andere wurden später deportiert.
Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge verwüstet. Fenster wurden eingeschlagen, die Eingangstür zerstört und der Davidstern vom Giebel entfernt. Wegen der engen Bebauung wurde das Gebäude jedoch nicht angezündet, sodass die Bausubstanz erhalten blieb.
In den folgenden Jahrzehnten wurde das ehemalige Gotteshaus zweckentfremdet: Während des Zweiten Weltkriegs wurde es unter anderem von der Wehrmacht und der Flieger-Hitlerjugend genutzt. Nach dem Krieg diente das Gebäude zunächst als Unterkunft und später als Garage und Lager. Dadurch blieb der Bau zwar erhalten, geriet aber zunehmend in einen schlechten Zustand.
Vom vergessenen Gebäude zum Erinnerungsort
1989 gründete sich der Museumsverein Synagoge Staudernheim e. V. Der Verein setzte sich für den Erhalt des Gebäudes ein und konnte die ehemalige Synagoge schließlich erwerben. Seitdem wurde das denkmalgeschützte Gebäude Schritt für Schritt instand gesetzt und restauriert.
Dabei geht es nicht darum, die Spuren der späteren Nutzung einfach verschwinden zu lassen. Vielmehr soll das Gebäude als historisches Zeitzeugnis erhalten bleiben. Es macht sichtbar, wie sich die Geschichte des Hauses über jüdisches Leben, nationalsozialistische Verfolgung und die Nachkriegszeit bis zur heutigen Erinnerungsarbeit erstreckt.
Eine dokumentarische Ausstellung informiert über die Geschichte der Staudernheimer Juden und vermittelt zugleich einen Einblick in das Landjudentum im Südwesten Deutschlands.
Besichtigung und Führung
Am Sonntag, 6. September, von 14 bis 16 Uhr haben Interessierte Gelegenheit, die ehemalige Synagoge und die Ausstellung zu besuchen. Wer mehr über das Gebäude und die Geschichte der jüdischen Gemeinde erfahren möchte, kann auf Wunsch an einer kostenlosen Führung teilnehmen.
📍 Am Wolfsgang 3, 55568 Staudernheim
📅 Sonntag, 6. September 2026
🕑 14 bis 16 Uhr
🎟️ Eintritt und Führung kostenlos
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