Herbert und Ingrid Wirzius mit der Unterschriftenliste für die Gründung des Fördervereins Lützelsoon am 15. März 1996. Foto: Armin Seibert
Nachhaltige Kinderhilfe seit 30 Jahren
Förderverein Lützelsoon und Soonwaldstiftung feiern 30. und 25. Geburtstag
HENNWEILER / REGION NAHE-HUNSRÜCK. Der Förderverein Lützelsoon und die Soonwaldstiftung feiern am 18. April in der Lützelsoonhalle in Hennweiler ein großes Jubiläumsfest. Gefeiert wird das dreißigjährige Bestehen des Vereins und das fünfundzwanzigste Jubiläum der Stiftung. Die beiden Hilfsorganisationen für krebskranke und notleidende Kinder haben sich in den Jahren ihres Bestehens in der Nahe-Hunsrück-Region und weit darüber hinaus etabliert. Mit einem Spendenaufkommen von über 1,3 Millionen Euro und über 200 Projekten jährlich unterstützen die vielen Helfer rund um Herbert und Ingrid Wirzius viele Hilfesuchende nachhaltig finanziell, fachlich medizinisch und lindern ihre Sorgen als stets erreichbare Mutmacher.
Im Jubiläumsjahr von Förderverein Lützelsoon und Soonwaldstiftung widmet die Nahe-dran-Redaktion der Stiftung und dem Verein eine Artikelserie.
In mehreren Beiträgen geben wir Einblicke in die Arbeit der Organisationen und machen die geleistete Hilfe greifbar.
Wir wollen zeigen, wie wichtig die Arbeit des Fördervereins und der Stiftung für die Menschen der Region und darüber hinaus sind.
30 plus 25=55 Jahre Hilfsaktionen
Wie kam es zur Gründung von Verein und Stiftung? Was waren die Beweggründe von Herbert Wirzius, dem Initiator, Gründer und ehrenamtlichem Vorsitzenden von Förderverein und Stiftung und seiner Frau Ingrid, die seit Anbeginn Vorstandsmitglied ist? Warum kümmern sie sich so hingebungsvoll seit Jahrzehnten um notleidende Kinder und ihre Familien? Herbert Wirzius rechnet gerne, hat immer Zahlen parat und addiert augenzwinkernd 30 Jahre Förderverein und 25 Jahre Soonwaldstiftung zu 55 Jahren Hilfe für kranke Kinder. Tatsächlich begann sein ehrenamtliches Engagement 1971 – vor 55 Jahren.
2522,60 Mark für Verwaltungskosten der Aktion Sorgenkind
Wie immer, wenn man mit dem agilen 88-jährigen zu tun hat, hat er umfangreiche Unterlagen parat, die auf Heller und Pfennig belegen, was da damals geschah. In einem langen Gespräch bei einem guten Glas Wein, erinnern Herbert und Ingrid Wirzius an die Anfänge der Hilfsaktionen von „faule Sprüch“ bis hin zum Förderverein mit über 1000 Mitgliedern. Die elf Mitglieder des Freitagsstammtischs „Faule Sprüch“ im Kirner Café Sichler hatten die Idee, im Gesellschaftshaus für die Aktion Sorgenkind eine Benefizaktion zu starten. Stolze 2522,60 Deutsche Mark konnten ans ZDF überwiesen werden.
Schön und gut, doch das Dankschreiben des TV-Senders und wohlmeinende Telefongespräche sorgten für Ernüchterung der Stammtischbrüder. Denn das Geld ging an die Verwaltung. Herbert Wirzius ist heute noch verärgert darüber. Denn man hatte doch Kindern und nicht dem ZDF-Verwaltungsapparat helfen wollen. „Damals habe ich mir geschworen, bei künftigen Aktionen alles zu 100 Prozent für notleidende Kinder zu verwenden,“ blickt Herbert Wirzius in die 70er-Jahre zurück.


Bewegte Zeiten mit Rudi Carrell und Professor Brinkmann
Es war eine bewegte Zeit, die dann folgte. Ein beeindruckender beruflicher Werdegang von der Landesweiten Kaffeevertretung mit dem Slogan „HAG stets mit Herz“ bis hin zur bundesweiten Verkaufsdirektion beim größten Lebensmittelkonzern. Es gab viele Aktionen mit Rudi Carrell oder „Professor Brinkmann“ (Schwarzwaldklinik mit Klausjürgen Wussow), kommunalpolitische Tätigkeit, sportliches Engagement mit Gründung der Hennweilerer Tischtennisabteilung mit bis zu 77 Mitgliedern, Tourismusaufbau als Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins Hennweiler mit 50 Mitgliedern und Erweiterung auf fünf Gemeinden mit 250 Mitgliedern. Das sind nur einige der Aktivitäten. Zu den Höhepunkten zählten die überregional bekannten Kochbücher, die mit regionalen Rezepten zum 1000jährigen Bestehen Hennweilers Furore machten. Das damalige Festkomitee wollte nicht, so gründeten Herbert und Ingrid Wirzius selbst einen Verlag. Sie konnten das Buch zum Fest mit einer Auflage von 3000 Stück an einem Tag verkaufen, initiierten weitere Auflagen. Die gab es auch für die Partnergemeinden in Thüringen. Unterm Strich kamen rund 40.000 Mark zusammen, mit denen das Freizeitgelände am Hennweilerer Sportplatz mit allem Drum und Dran errichtet wurde.



Reis für Hennweiler bringt 10.000 Mark für Ruanda
Weitere Aktionen folgten. Zum Beispiel wurde der damalige Hennweilerer Ortsbürgermeister Klaus Müller auf der Weinwaage mit Reis aufgewogen, den Wirzius gespendet hatte. Im Kirner Krankenhaus wurde der Reis dann gekocht, über 660 Portionen in Hennweiler verkauft und verspeist. Mit dem Erlös von 10.000 Mark unterstützte man im rheinland-pfälzischen Partnerland Ruanda auf Initiative von Pfarrer Wengenroth ein Heim für Jugendliche. Diese konnten sich in Kigali eine Existenz aufbauen.
„Es geht, man muss es nur wollen!“ Viele Menschen in der Region und weit darüber hinaus kennen das Lebensmotto von Herbert Wirzius, der seine Biografie diesem Motivationsspruch widmete. Auch im hohen Alter ist er unermüdlich ehrenamtlich unterwegs und hat stets einen ganzen Sack voll interessanter Ideen parat. Oder eines seiner vielen Gedichte, die Freude bringen oder auch nachdenklich machen. Um nur einige Aktionsbeispiele zu nennen: Es gab eine Pflanzaktion im Hennweilerer Wald mit 12.000 Bäumen, später zehn Jahre lang die unvergessenen musikalischen kulinarischen Schlosstage auf Schloss Dhaun mit jeweils 3.000 Besuchern, die Weihnachtsmärkte im Autohaus Dinig, die 24-Stunden-Wanderung von Rheinland-Pfalz, die Ferienwohnungen auf Schloss Wartenstein und Schloss Dhaun, die Botschafter der guten Tat von Julia Klöckner bis Alfred Wenz und von Stefan Bockelmann bis Johannes Kalpers.
Wer kann bei all dem den Überblick behalten? Herbert und Ingrid Wirzius scheinen das aus dem FF zu beherrschen, belegen alles mit Fakten aus Archivordnern und würzen es mit Anekdoten. „Uns geht es gut, wir wollen etwas zurückgeben!“ Das haben die Eheleute, die im vergangenen Jahr ihre Diamantene Hochzeit feiern konnten, verinnerlicht und geben unentwegt weiterhin Vollgas, wie in den Gründungstagen von Verein und Stiftung.
Gründungsdatum 15. März 1996
Am 15. März 1996 wurde der Förderverein Lützelsoon mit den Mitgliedern Herbert und Ingrid Wirzius, Andreas Müller, Klaus Müller, Werner Müller, Helmut Nachtigall, Karl Kohl, Alois Bertreaum, Horst Fey und Alfred Stein ins Vereinsregister des Amtsgerichts eingetragen. Die Mitgliederzahl hat sich seither verhundertfacht. Die 1.000 habe er sehr bald im Blick gehabt, erinnert sich Herbert Wirzius und er will weiter aufstocken. Ingrid ist da ein wenig skeptisch und weiß: Viele wollen unter das Dach des Fördervereins. Anfangs wurde dieser von Hennweiler aus geführt. Paul Herrmann half als Buchhalter. Fünf Jahre später zog man in einen kleinen Raum bei Peter Wilhelm Dröscher ins VG-Verwaltungshaus um. Vor inzwischen 23 Jahren folgte dann der Umzug in die noch heute genutzten Räumlichkeiten. Dort sind drei Bürokräfte um Isabell Müller tätig und Herbert Wirzius legt meist schon morgens kurz nach sieben Uhr hier los. Unterm Dach des Fördervereins sind inzwischen auch Bundeswehrkinder in Not, Hilfsfonds Kirner Land, Kulturloge, Klasse 2000, Soonwaldkicker und weitere Aktionsgruppen zu finden. Vieles geschieht auch in Zusammenarbeit und Finanzunterstützung der Dr. Wolfgang und Anita Bürkle-Stiftung.
Florierendes mittelständisches Unternehmen
Aus Stammtisch-Anfängen „faule Sprüch“ wurde ein mittelständisches Unternehmen. Diesem würden sich immer wieder gern noch weitere Initiativen anschließen, Anfragen gibt es dauernd. „Wir haben aber auch immer genügend Fälle, in denen wir helfen können und wollen,“ sagt Herbert Wirzius. Doch es wird stets streng geprüft, den unterschiedlichen Sparten je nach Satzungsvorgaben zugeordnet. Anfragen werden aber auch mal abgelehnt. Der Fokus auf Kinderhilfe und Spendenzuweisung zu 100 Prozent ohne Verwaltungsabzug stehen aber stets unverrückbar. Das geht indes nur, weil mit dem Erlös von Eigenveranstaltungen wie Weinprobe mit Julia Klöckner und Alfred Wenz, Kalpers- oder Hofsängerkonzerte zur Bürofinanzierung beitragen. Und weil Herbert und Ingrid Wirzius weiterhin ihre Aktivitäten für Förderverein und Stiftung völlig unentgeltlich leisten. Sie haben ein ehrenamtliches Netzwerk aufgebaut, in dem auch die Töchter mit Familien engagiert mithelfen.
„Jährlich erkranken in Deutschland 2.300 Kinder an Krebs,“ ruft Herbert Wirzius in Erinnerung, worum es geht. Kinderhilfe! Mit Dankbarkeit blicken Ingrid und Herbert Wirzius zurück auf 25, 30, 55 Jahre Hilfsaktionen. Da war etwa der Festzug 1.000 Hennweiler mit Herbert Wirzius auf dem Rasenmäher und den akkordeonspielenden Töchtern. Die Eheleute blicken dankbar, aber auch nachdenklich darauf zurück. Es waren dramatische Tage. Drei Tage vor dem Ereignis verstarb der Festkomitee-Vorsitzende. Landrat Walter Zubert wollte alles absagen, aber Herbert Wirzius übernahm die Verantwortung. Dann der Umzug mit vier Toten wegen durchgehender Pferde. Es sind nicht nur schöne Erinnerung, doch die schönen überwiegen: Unvergessen auch der Besuch bei Peter Maffay auf dessen Finca in Mallorca. Dort steuerte Herbert Wirzius den Tabaluga-Bus des Weltstars, der kranke Kinder aus dem Naheland willkommen hieß. Unvergessen auch die anstrengenden Hilfsaktionen für notleidende Familien nach dem Ahrhochwasser, der Flutgeschädigten in Kirn-Sulzbach oder der Hilfe für die Ukraine dieser Tage erst mit Generatoren gegen die Eiseskälte in Zelten. Es hört nicht auf, im Gegenteil.
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