Soonwaldstiftung: Wenn Oskar und seine Familie Schloss-Urlaub machen
Nachhaltige Projekte in der Region und weltweit
SCHLOSS DHAUN. Diese Erfolgsgeschichte sucht in der Region und womöglich in der ganzen Republik ihresgleichen: Der 1996 gegründete Förderverein Lützelsoon und die fünf Jahre danach begründete Soonwaldstiftung feiern Jubiläum – zusammen sind es 55 Jahre Hilfe für kranke und notleidende Kinder. Zufällig ist seit 55 Jahren der Gründer und Vorsitzende beider Institutionen, Herbert Wirzius, zusammen mit seiner Frau Ingrid ehrenamtlich für die Kinder in Not aktiv. Verein und Stiftung kommen zusammen im Jubiläumsjahr auf ein stolzes Spendenaufkommen von über 2,5 Millionen Euro. Das Geld fließt in viele kleine und viele große Projekte. Bei der Soonwaldstiftung, um die es in diesem Artikel vor allem geht, sind’s die großen, nachhaltigen Projekte.
Von Armin Seibert
Ein Verein ist in Deutschland schnell gegründet. Sieben Leute braucht´s mit einwandfreiem Leumund, und schon geht`s los. Oft sind Vereine aber auch ebenso schnell wieder von der Bildfläche verschwunden, das meist kleine Vereinsvermögen ist dann flugs verteilt. Als sich der Förderverein Lützelsoon gegründet hatte, hatten die Initiatoren sehr bald die Gewissheit, dass die Erträge erfolgreicher Hilfsprojekte und Aktionen nachhaltig in einer Stiftung gesichert werden sollten. Im Juni 2001 wurde das in die Tat umgesetzt.
Vom kleinen Lützelsoon in den großen Soonwald und global unterwegs
Im Gespräch erinnern Herbert und Ingrid Wirzius beispielsweise daran, dass bei Spendenaktionen stets die Zusicherung gegeben werden konnte, nach der keinerlei Verwaltungskosten abgezogen werden. Das war und ist für potenzielle Spender ein wichtiger Faktor. Vom kleinen regionalen Hunsrück-Waldgebiet, dem Lützelsoon bei Hennweiler, richteten die Gründer der Soonwald-Stiftung den Blick über den Tellerrand hinaus, erweiterten das Konstrukt auf den umgebenden Soonwald. Herbert Wirzius erinnert in dem Zusammenhang an den Verkehrsverein Lützelsoon, den er 25 Jahre geleitet hatte. Vom Verschönerungsverein Hennweiler aus ging die Entwicklung über den Verkehrsverein Lützelsoon mit fünf Gemeinden zum Förderverein Lützelsoon mit Schwerpunkt Kinderhilfe. Das Projekt wuchs rasant, die Vorhaben wurden größer. Vorläufiger Investitionshöhepunkt war die Fertigstellung der drei Ferienwohnungen auf Schloss Dhaun, für die die Stiftung 750.000 Euro Spendengelder erhielt. „Wir mussten dafür nicht das Stiftungsvermögen anrühren,“ sagen Herbert und Ingrid Wirzius stolz bei einem Besuch auf Schloss Dhaun.
Familie genießt die Ruhe auf dem Schloss nach schwerer Zeit
Dort treffen wir die fünfköpfige Familie Joswig aus Bad König im Odenwald. Sie genießen die Ruhe auf dem Schloss, erkunden mit ihren drei Kindern die Region, nutzen die Gelegenheit, abzuschalten. In den vergangenen Jahren hat sich meist alles um Oskar gedreht. Der heute so quirlige Siebenjährige hat eine lange Leidenszeit hinter sich. Er war mit zweieinhalb Jahren schwer an Leukämie erkrankt. Heute, fünf Jahre später sieht man dem Jungen die langwierigen Klinik-Tortouren nicht an. Nicht mehr. Aber vergessen wird er das nicht – seine Eltern Anna und Oliver auch nicht, genauso wie seine beiden älteren Schwestern Emilia (11) und Malea (9). Die Familie macht inzwischen zum dritten Mal Ferien auf dem Schloss, erst auf Wartenstein, dann auf Dhaun. „Was ist denn schöner, Wartenstein, oder Dhaun,“ fragen wir Oskar. „Beides,“ sagt er und legt sich nicht fest. Heute Morgen waren sie noch auf Wartenstein, auf dem Abenteuerspielplatz, den die Soonwaldstiftung vor einigen Jahren mitfinanziert hat.
Herbert und Ingrid Wirzius als Tourismusförderer
Gern will Oskar mit der Familie noch einmal kommen, auf dem Schlossgelände herumstromern. Denn es gibt immer was Neues zu sehen. Auf den weitläufigen Schloss-Anlagen und auch in der Region. Das ist fast Tourismuswerbung für das Kirner Land. Da können Ingrid und Herbert Wirzius mühelos helfen, wenn`s drum geht, noch schnell eine Erlebnistour vorzuschlagen. Kurzerhand wird die Teufelshütte auf dem Teufelsfels noch für eine Nachmittagswanderung ausgeguckt. Das Holzhaus neben dem Aussichtsturm kennt Familie Joswig noch nicht, die Legende vom Teufelsfels auch nicht. Als Ingrid Wirzius die Geschichte erzählt, wie der Satan den Felsen im Wald niederschmetterte, weil er sich über die frommen Dörfler von Bruschied, Schneppenbach und Bundenbach ärgerte, von denen niemand in die Hölle kam, hören die Kinder mucksmäuschenstill zu. Und wollen dann gleich mit Mama und Papa aufbrechen.
Die Region hat viel zu bieten. Anna Joswig hat dafür in der Uniklinik in Frankfurt geworben, wo Oskar oft behandelt wurde und wo es einen Freundeskreis betroffener Eltern gibt. In einem größeren Artikel in der Zeitschrift des Kinderkrebsverbands werden die Wohnungen ebenfalls vorgestellt. Da werde es sicher große Nachfrage geben, erwarten die Initiatoren der Soonwaldstiftung. Denn über 100 Kliniken sind in der Stiftung mit organisiert. Schon jetzt werden die Schlosswohnungen bundesweit nachgefragt. Gäste kommen aus Hamburg, aus Leipzig oder aus dem Allgäu. Sechs Wohnungen in alten Schlossgemäuern – die Unterhaltung kostet viel Geld. Doch mit Spenden genau für diesen Zweck bleiben die geschmackvollen und sehr hochwertig ausgestatteten Wohnungen stets auf dem neuesten Stand.
Das Lützelsoonkochbuch war ein wichtiger Grundstein für Stiftung
Konnte man diese Entwicklung ahnen, als mit Benefizprojekten in den 90ern der Grundstein für Förderverein und Soonwaldstiftung gelegt wurde? Herbert und Ingrid Wirzius sagen ein klares Nein dazu. Aber angedeutet hatte sich das. So konnte mit dem Erlös des Kochbuchs, das Herbert und Ingrid Wirzius zum 1000jährigen Bestehen der Gemeinde Hennweiler herausgegeben hatten, der Freizeitplatz und die Hütte am Sportgelände gestaltet werden. Weitere Erfolgsprojekte machten die Stiftungsgründung zur nachhaltigen Vermögensverwaltung notwendig. Und weil das so strukturiert und planvoll läuft, gab es einige „Zustiftungen“, die gerne unterm Dach der Soonwaldstiftung agieren.
Beispielsweise schloss sich die Binger Pfarrer-Como-Stiftung an und jüngst ging die Alex-Jacob-Stiftung unter der Devise „Mut tut gut“ in der Soonwaldstiftung auf. Ronja Jacob betreut die Schulprojekte weiter, freut sich Herbert Wirzius. Ob noch weitere Stiftungen hinzukommen? Erst mal will man das Silberjubiläum feiern, begrüßt etliche prominente Gäste, unter anderem die Botschafter der guten Tat, die überregional für Stiftung und Förderverein unterwegs sind. Da ist beispielsweise der Schauspieler Stefan Bockelmann, der von Beginn an bei der Stiftung dabei war, oder Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die die Schirmherrschaft fürs Doppeljubiläum übernommen hat.
Auf Schloss Dhaun begegnet man auf Schritt und Tritt der Geschichte. Ein reich gestickter Wandbehang blendet auf die Geschichte des über 800 Jahre alten Schlosses zurück. Foto: Armin Seibert.
Projekte in Brasilien, Nepal, Kamerun und Rumänien
Vom regionalen Förderverein Lützelsoon zum größeren Soonwald und von dort in die ganze Welt. So könnte man den Erfolgsweg beschreiben mit Projekten in Ruanda, Kamerun (Brunnenanlagen für sauberes Wasser), Indien (Projekt mit Bonifatius Faulhaber), Nepal (Projekt mit Extremkletterer Hans Kammerlander), Brasilien (Straßenkinderprojekt mit Horst Hügel und Initiator Demetrio Demetrius), in der Kirner Land-Partnergemeinde Lenauheim (Kinderheim) und in der Ukraine. Große und kleine Projekte gab und gibt es in Verbindung mit der Hochwasserhilfe im Fischbachtal, an der Ahr und an der Nahe (Kirn-Sulzbach, Meckenbach, Bärenbach).
Zusammen mit der Bürklestiftung arbeitet man erfolgreich seit Jahren beim Projekt „Klasse 2000“ und investiert hier in nachhaltige Grundschul-Projekte. Logisch, dass im Büro von Förderverein und Stiftung täglich Hilfsanfragen gestellt werden, denn die Not ist und bleibt groß. Aktuell sind zwölf Kinderhilfsprojekte akut, im Lauf des Jahres sind es stets über 100 beim Förderverein. Viele laufen über etliche Jahre, teils über Jahrzehnte. Die Debatten über anstehende Leistungskürzungen bei den Krankenkassen lassen befürchten, dass die Hilferufe eher noch zunehmen. Schnelle unbürokratische Unterstützung ist das eine, langfristige sorgfältig geplante Zukunftsarbeit das andere. Kürzlich hat die Soonwaldstiftung nach Plänen von Herbert Wirzius einen Herzwald gepflanzt, die Herzwaldhütte soll bald gebaut werden und noch in Jahrzehnten ein Wanderziel sein. Vielleicht macht Oskar eines Tages mit seinen eigenen Kindern mal Urlaub, wo er sich als Siebenjähriger von seiner Leukämieerkrankung erholte.
Jubiläumsfeier in Hennweiler
📅 Datum:
Samstag, 18. April
📍 Ort:
Hennweiler
🎉 Anlass:
Jubiläumsfeier des Fördervereins Lützelsoon und der Soonwaldstiftung
⏰ Beginn:
18:00 Uhr
📌 Programm:
Rückblick auf die Vereinsgeschichte, Ehrung der Gründer sowie ein abwechslungsreiches Festprogramm
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