Gemeinsam für die gute Sache unterwegs Herbert Wirizius und Stefan Bockelmann. Foto: Armin Seibert.
Wer ist der Schauspieler aus „Alles was zählt!“, wie wurde er Botschafter der Soonwaldstiftung und koordinierte Hilfe für 190 Familien im Ahrtal
KIRN. Der 1995 gegründete Förderverein Lützelsoon und die 2001 begründete Soonwaldstiftung feiern runde Geburtstage. Die Kinderhilfswerke leisten weit über die Nahe-Hunsrück-Region hinaus segensreiche Arbeit, sind auf jährliche Spendenaufkommen in Millionenhöhe stolz und helfen in Hunderten von Einzelfällen. Wichtige Unterstützer dabei sind die Botschafter der guten Taten. Einer der ersten war Stefan Bockelmann, der bei der Flutkatastrophe an der Ahr die Hilfe für fast 190 notleidende Familien mit koordinierte.
Von Armin Seibert
„Alles was zählt!“ – so heißt die RTL-Fernsehserie, in der seit fünf Jahren Stefan Bockelmann als Familienvater Henning Ziegler auftritt. Ziegler hat seine Kinder verlassen und sich aus der Verantwortung gestohlen. Im „richtigen Leben“ war der Schauspieler, der im September 50 Jahre alt wird, unermüdlich und ehrenamtlich im Ahrtal unterwegs als Botschafter für die Soonwaldstiftung. Im RTL-TV war er auch in der Serie „Unter uns“ als Malte Winter von 2001 an 16 Jahre aktiv. So könnte man fragen, mal „Unter uns“ – was ist es denn, was wirklich zählt im Leben? „Wir haben zwei gesunde Kinder, es geht uns gut, wir können etwas zurückgeben an notleidende Menschen,“ sagt der Familienvater. Wenn er in diesen Tagen die bewegenden Bilder und Filme über die Flutkatastrophe an der Ahr und in Nordrhein-Westfalen sieht, bei der mindestens 185 Menschen starben und Hunderte Existenzen vernichtet wurden, kommen bei Stefan Bockelmann große Emotionen hoch. Filme, Berichte, Kommentare, Reportagen erinnern ihn an Solidarität, Zusammenhalt, aber auch an große Versäumnisse, stockenden Wiederaufbau und daran, dass Naturgewalten unbezähmbar werden können.






Eine Woche nach der Katastrophe lief die Hilfe an
Schon eine Woche nach der Flut am 14. Juli 2021 war Stefan Bockelmann über Bekannte mit Betroffenen in Kontakt gekommen. Und schnell gab es von Herbert Wirzius aus Hennweiler „Grünes Licht“ – ja, auch wir können helfen. Knapp 190 Familien kamen in den Genuss von Soforthilfen, meist im unteren vierstelligen Eurobereich, einige Hunderttausend Euro Spendengelder von der Nahe gingen so an die Ahr. Fünfeinhalb Monate später brach der Krieg in der Ukraine aus, da flossen die Spenden in eine andere Richtung. Die Ahr verlor an Bedeutung, etliche Familien, die vielleicht noch hätten Hilfe erhalten sollen, blieben unberücksichtigt. Wenn jetzt zum fünfte Jahrestag über die mit den Hochwasserfolgen kämpfenden Menschen and der Ahr berichtet wird, denkt Bockelmann darüber nach, ob man noch einmal nachlegen und einen Aufruf starten sollte.
2001 wurde die Soonwaldstiftung gegründet und das Jubiläum im Frühjahr mit dem 30. Geburtstag des Fördervereins Lützelsoon gebührend gefeiert. Stefan Bockelmann moderierte das bunte Programm zusammen mit Botschafterkollege Martin Seidler (SWR), wurde selbst für langjähriges Engagement geehrt. Als junger Schauspieler („Unter uns“) war er von einer Bekannten gefragt worden, ob er nicht der Idar-Obersteiner Klinik für Knochenmarktransplantation (KMT) als Nikolaus die Kinder auf der Kinderonkologie bescheren könnte. Er sagte zu, verschenkte Weihnachtsmänner, schrieb Autogramme. Herbert und Ingrid Wirzius waren dabei, besuchten den damaligen Klinik-Förderverein. Bockelmann erinnert sich: „Wir hatten uns vorher nie gesehen. Herbert fand es gut, was ich da machte, und fragte mich, ob ich Botschafter der Stiftung werden möchte.“ Gesagt, getan. Kindern helfen – das fiel Bockelmann als Vater einer Tochter nicht schwer. Als Moderator wirkte er beim großen Musikfestival auf Schloss Dhaun mit, war beim Weihnachtsmarkt von Auto-Dinig aktiv, wurde in der Nahe-Region als Moderator des Kirner Autofrühlings bekannt, drehte Videos und DVDs über Hilfsmöglichkeiten bei Leukämie, über die Wohnungen auf Schloss Wartenstein oder über Delphintherapien in Tunis. Mit den Jahren entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. „Ich bin wie einige andere Botschafter vom Wirzius-Virus infiziert,“ scherzt Stefan Bockelmann und erinnert an Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die mit der biblisch-musikalischen Weinprobe schon genauso lang mit dabei ist. Die inzwischen 20 Botschafter kennen und mögen sich, man unterstützt sich.
Auch bei Kreuznach lacht mit aktiv
Mit der Soonwaldstiftung kam auch der Kontakt zu „Kreuznach lacht“ zustande, wo Stefan Bockelmann zur festen Größe bei der von Jens Helmer initiierten Comedy-Benefizaktion wurde. Das Netzwerk wächst, eröffnet den Blick über den Tellerrand. Man sieht was möglich ist, wenn man es nur will. So hat Fördervereins- und Stiftungsgründer Wirzius viele „angesteckt“ mit seinem Lebensmotto: Es geht, man muss es nur wollen. Bockelmann erinnert sich gut an „Lutti“ aus Litauen. Der Bub, so alt wie Bockelmann-Tochter Dana, hatte Leukämie. Ein Spender in Amerika wurde gefunden, die Transplantation sollte 60.000 Euro kosten. Das Geld kam zusammen, der Bub ist geheilt. Bockelmann erinnert sich an ein gemeinsames Foto mit Lutti und Tochter Dana und ihm mit damals noch langen Haaren und Zopf. In einem anderen Fall ging es – als das Wirzius Buch vorgestellt wurde – um eine Typisierungsaktion für Carlos. Rund 10.000 Euro wurden gebraucht. Soonwaldstiftung und Bürklestiftung halfen und die Aktion Augenlicht von Alex Jakob war ebenfalls mit im Boot. Zusammen hilft es sich leichter.
Nothilfe stärkt den Optimismus, dass wieder was geht
Weil Nothilfe an der Ahr mit Menschlichkeit und Vertrauen so gut funktionierte, wo die Bürokratie bis heute noch stottert, hofft Bockelmann darauf, dass es wieder vorwärtsgeht im Land. Nach der Coronapandemie, die auch seinen Berufsstand besonders hart traf, kam vieles ins Stocken. Die Kriege in der Ukraine und in Gaza verdrängten die Not im Ahrtal, die dafür aufgestellten Spendentöpfe sind leer. Ganz abgeschlossen hat Bockelmann dieses Kapitel nicht, erinnert sich an stundenlange Telefonate mit Betroffenen und daran, wie alles akribisch abgearbeitet, Nachweise über erhaltene Versicherungsleistungen oder Lohnbescheinigungen vorgelegt werden musste. Als gelernter Bauzeichner weiß Bockelmann Bau- und Versicherungsschäden einzuschätzen. Er weiß, dass Soforthilfen oft ein Tropfen auf den heißen Stein waren. Aber die Dankbarkeit war riesig, die Zusammenarbeit etwa mit den „Dachzeltnomaden“ und „Ahrtal hilft“ inspirierend und dankbar. Freundschaften sind entstanden. „Das alles ist gut fürs Karma,“ fasst Bockelmann seine zeitraubende Botschafter-Tätigkeit zusammen. Heißt: Gutes tun lohnt sich und kommt irgendwie zurück. Ja, er empfinde es ein Stück weit als Pflicht, als Person des öffentlichen Lebens zu helfen. Er engagiert sich auch in einer Theatergruppe in Erkelenz, gibt dort Unterricht, dreht Imagefilme, moderiert Firmenpräsentationen. Locker und lebensfroh, wie man ihn kennt. Die Ahrkatastrophe und sein Engagement im Förderverein Lützensoon und der Soonwaldstiftung haben ihn geprägt und ist nicht abgehakt. Sie hilft die Frage zu beantworten, was wirklich zählt im Leben.
Weitere Beiträge der Jubiläumsserie
Zum 30-jährigen Bestehen des Fördervereins Lützelsoon und zum 25-jährigen Jubiläum der Soonwaldstiftung veröffentlicht Armin Seibert eine mehrteilige Serie über Menschen, Projekte und bewegende Geschichten.
- ▶ Förderverein Lützelsoon und Soonwaldstiftung: Ein besonderes Jubiläum
- ▶ Johannes Kalpers begeistert Kirn bei Benefizkonzert der Soonwaldstiftung
- ▶ Wenn Oskar und seine Familie Schloss-Urlaub machen
- ▶ Nachhaltige Kinderhilfe seit 30 Jahren
Ihr Einstieg ins Online-Marketing: Werben auf nahe-dran.de




